Lockruf des Goldes

05.04.13

Goldrausch in Alaska

von "Mariposa"

Sendetermine der Erstaustrahlung 

Teil I – "Das Klondike-Fieber“ am 21.12.1975
Teil II – "Die Weiße Rinne" am 23.12.1975
Teil III – "Der Wilde Mann vom Yukon" am 28.12.1975
Teil IV – "Vierauge" am 30.12.1975

Darsteller: Rüdiger Bahr als Elam Harnish, Ferdy Mayne als John Tarwater, Pierre Rousseau als Pater Judge, Arthur Brauss als Charles Clayton, Francoise Arnoul als Cad Wilson, Emmerich Schäfer als Joe Hines, Sandu Popa als Henderson, Constantin Baltaretu als Bettles, Werner Berndt als Andy Carson, Adrian Dobrescu als Snass, Christine Kaufmann als Labiskwee u.v.a.

 

In der Vorweihnachtszeit 1975 brach in deutschen Stuben der Goldrausch aus. Viele Fernsehzuschauer – mich einbegriffen – folgten im Geiste dem "Lockruf des Goldes". Ich kannte und liebte die Abenteuerromane von Jack London, mochte vor allem seinen schönen Erzählstil und war mächtig gespannt, was das Fernsehen aus der Romanvorlage zaubern würde. Vom Seewolf wusste ich, dass gleich mehrere Romane, nämlich "Der Seewolf" selbst, "Abenteurer des Schienenstranges" und die Geschichten "Joe unter Piraten" sowie "Ein Sohn der Sonne" perfekt ineinander verschmolzen wurden. Würde das auch diesmal gelingen?  

Durch unsere schlechte Fernseh-Empfangslage konnte ich den Vierteiler daheim zwar nicht gucken, bettelte aber solange, bis sich jemand fand, bei dem ich mich "einladen" durfte. Vorzugsweise in Haushalte mit Farbfernseher, was vor mehr als 30 Jahren noch etwas ganz Besonderes war. Bei der Gelegenheit konnte man gleich anderer Leute Adventskränze und Christbäumchen bewundern, Plätzchen probieren und die Rezepte dazu untereinander austauschen. Das gehörte alles zu den vorweihnachtlichen Traditionen.

 

Unter dem Schauspieler Rüdiger Bahr konnte ich mir nichts vorstellen -  hätte ich damals schon gewusst, dass er zuvor als "unheilvolle Erzählstimme" Dick Sands fungiert hätte, so hätte ich ihm im Vorfeld mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dick Sand wurde mir erst später ein Begriff, und Rüdiger Bahr sah ich nur noch ein einziges Mal in einer Fernsehrolle. Das war in der Folge "Der Mann mit dem Wunschhut",  und die Serie hieß "Nirgendwo ist Poenichen".  

Außerdem schrieb er für einen späteren Adventsvierteiler, nämlich den "Schwarzen Bumerang", das Drehbuch.   

Für "Freundschaft wider Willen",  eine weitere ZDF-Produktion nach Motiven von Jack London, übernahm er dann die Fernsehbearbeitung. Der Star dieses Tierfilms war ein irischer Terrier,  und Hundeerfahrung hatte er ja schon gesammelt.

 

Arthur Brauss hatte wenige Monate zuvor in "Härte 10" als schlitzohriger, äußerst zwielichtiger Abdul meine Sympathien gewonnen. Auf ihn freute ich mich regelrecht. 

In der Fernsehzeitung stand zu lesen, dass mindestens zwei Schauspieler aus dem Seewolf mitwirkten, nämlich das schmierige Köchlein Mugridge, dargestellt von Emmerich Schäffer, und der charakterstarke Johnson, verkörpert durch den Rumänen Sandu Popa. So war ich recht neugierig, die beiden in einer anderen Rolle zu sehen.  

Auch ein Darsteller aus "Zwei Jahre Ferien" war mit von der Partie, aber keiner der erklärten Lieblinge meiner Mitschülerinnen.

 

 

Wiedersehen macht Freude.  
Von links nach rechts: Arthur Brauss,  Sandu Popa, Emmerich Schäffer und Constantin Baltaretu

 

Der Regisseur Wolfgang Staudte war der gleiche, der den Seewolf so wirkungsvoll in Szene gesetzt hatte; die Musik stammte auch diesmal von Hans Posegga. Die Titelmelodie – ein Trompetensolo - war nichts Besonderes, aber sie rief  etwas in einem wach. Noch heute verbinde ich damit in Pelze eingemummelte Männer, die in lang gezogener Linie durch den Schnee stampfen, ein armseliges Barbecue-Eichhörnchen, und natürlich Rüdiger Bahr in der karierten Jacke.  

Gedreht wurde einmal mehr in Rumänien. Als Schlittenhunde dienten deutsche Schäferhunde, obwohl Huskies viel wirkungsvoller gewesen wären. Aber diese Hunderasse hatte sich damals noch nicht als Haustier etabliert. Wie bei früheren Produktionen von Walter Ulbrich wurde die Geschichte erzählt, und dadurch wurde es für uns Zuschauer einfacher, der Handlung zu folgen. Und so fing alles an …

 

Geraten wie so viele ihrer Zeitgenossen
in den Sog des Aufbruchs:

Rüdiger Bahr als Anwalt auf Abwegen und
Ferdy Maine als alternder Abenteurer

 

Die erste Einstellung zeigt einen Zug, der entlang eines Maisfeldes dampft, darin sitzt der schnieke gekleidete Anwalt Elam Harnish. Er ist unterwegs, um einen Farmer zu entmündigen, muss aber feststellen, dass dieser alternde Abenteurer noch Herr seiner Sinne ist und genau weiß, was er will: nach Alaska, um Gold zu suchen. So wird auch der junge Anwalt vom Goldfieber angesteckt, und er bricht auf zum Klondike, einem Nebenfluss des Yukon. 

Was ursprünglich als kürzerer Aufenthalt geplant ist, wird schnell zum Dauerzustand und zur Existenzfrage, da Harnish unterwegs die Nachricht bekommt, dass er mittellos dasteht. Mehrmals ist das Greenhorn nahe daran aufzugeben, aber der alte Mann, den er zufällig wieder trifft, hilft ihm immer wieder auf die Beine und zeigt ihm, wo es lang geht. Elam muss erkennen, dass Goldsuchen kein Job für Weicheier ist. Manche verlieren den Verstand, und manche sogar ihr Leben.

Als Arthur Brauss in der Rolle des Charles Clayton in Erscheinung tritt, bin ich fast ein wenig enttäuscht. Der depperte Hut, den er aufgesetzt hat, lässt ihn selbst ein wenig deppert erscheinen. Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck – sagt man -, aber dieser erste Eindruck täuscht. Clayton ist angesehener Chef des Tivoli, einer wahren Goldgrube, und Herr über die Lebensmitteldepots in Dawson. Er beschäftigt die Tänzerin und Sängerin Cad Wilson, die zwar nicht viel Talent zum Singen und Tanzen hat, es aber großartig versteht, den Goldsuchern das mühsam erworbene Geld aus der Tasche zu ziehen. Sie sammelt für ihren armen, kranken Bruder, der gar nicht existiert, und so ganz nebenbei ist sie verliebt in Elam. Da stürzt ein dem Tode naher Goldsucher ins Tivoli, und alles deutet darauf hin, dass er die Weiße Rinne gefunden hat, einen sagenumwobenen Ort, wo das Gold hell und ausgewaschen, ja fast weiß, erscheint …

 

 

Das Vergnügungslokal Tivoli ist Mittelpunkt des Lebens in Dawson City und bildet einen eigenen Mikrokosmos.

 

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit Mariposas Erinnerungen an den Goldrausch in Alaska ...

 

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