Pistolen und Petticoats

03.09.13

Die erste Westerncomedy-Serie!

Erinnerungen von Pete, Fotos: Screenshots aus den DVDs (Mammut Home Entertainment)

Wer mich etwas länger kennt, weiß, dass ich nicht gerade zu den Freunden amerikanischer Fernseh- und Filmkomödien zähle, und insbesondere mit komödiantischen Western mochte ich mich Zeit meines Lebens eigentlich überhaupt nicht so recht anfreunden. Doch wie bei fast allem im Leben gibt es auch hier Ausnahmen. Man denke nur an die wunderbaren Komödien wie "Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe" oder "Latigo", in denen es vor Witz und blauen Bohnen nur so sprühte. Und es gab natürlich auch furchtbare Produktionen wie der unsägliche "Dusty Dusty", der samstäglich auf den deutschen Bildschirmen (sehr zu meinem Leidwesen) sein Unwesen treiben durfte und mit seinen Gags, die man irgendwo ganz tief aus einem Farmbrunnen gegraben zu haben schien, einfach nur nervte. Doch bereits im Jahre 1967, ich war damals ein Dreikäsehoch von acht Jahren, durfte ich eine skurrile Fernsehfamilie zu ihren hanebüchenen Abenteuern begleiten, und zwar bei der Western-Komödienserie "Pistolen und Petticoats". Und von der ersten Episode an war ich ein Fan und diese Familie gern gesehene Gäste auf meinem heimischen, damals noch Schwarzweiß-Fernsehgerät …

 

 

Es war der Sommer des Jahres 1967. Vor 18:55 Uhr hatten die kleinen Zeichentrick-Kobolde aus Mainz, in ganz Deutschland bereits als "Mainzelmännchen" bekannt, ihren Auftritt, den sie dann oftmals damit beendeten, dass sie sich um eine Nachttischlampe versammelten, um  diese dann, begleitet von ihrem typischen Gekicher, auszuknipsen. Der Bildschirm wurde pechschwarz, und der Fernsehzuschauer, der mit Spannung auf den Beginn des Hauptprogramms wartete, wusste: Jetzt geht’s los. Und bei "Pistolen und Petticoats" ging’s gleich wirklich zur Sache, wurde denn schon im markanten Titellied, einem richtigen Ohrwurm, ordentlich Pulver verschossen.

Erzählt wird die Geschichte der Familie Hanks im Wilden Westen. Wir schreiben das Jahr 1870, und das kleine Städtchen Wretched (zu gut Deutsch etwa "erbärmlich, liederlich") ist weniger erbärmlich als andere Westernstädtchen, dafür allerdings ziemlich liederlich, denn allerlei zwielichtiges Gesindel treibt sich in der Stadt herum.

 

 

Für Recht und Ordnung sorgt Sheriff Harold Sikes, ein junger Mann, der stolz seine beiden blank polierten Schießeisen tief geschnallt herumträgt. Na ja, er soll eigentlich für Recht und Ordnung sorgen, doch das klappt nur bedingt, stolpert der junge Mensch denn doch allzu häufig über seinen Pistolengurt, der partout nicht oben an der Hüfte bleiben will, sondern immer wieder herunterrutscht. Wenn es eine personifizierte Tollpatschigkeit gibt, dann ist ihr Name Sheriff Harold Sikes. Er lässt kein Fettnäpfchen aus und keine Möglichkeit, sich ungeschickt anzustellen und das, was er sich vorgenommen hat, gründlich zu vermasseln. Ernst nimmt ihn kaum jemand in dem Städtchen, sondern duldet ihn einfach, wahrscheinlich deshalb, weil man keinen anderen Mann gefunden hat, der in dieser bleihaltigen Umgebung bereit gewesen wäre, den Stern an die Hemdbrust zu heften.

Und gerade die Tollpatschigkeit des Sheriffs sorgt wohl auch dafür, dass er gute Chancen hat, von sämtlichen Kugeln verfehlt zu werden und ein hohes Alter zu erreichen.

 

 

Dafür sorgen allerdings auch die Mitglieder der Familie Hanks, die unweit des Städtchens Wretched eine Farm bewohnt. Da wären der schrullige und kurzsichtige Opa Hanks, den es immer wieder in die Berge zieht, um dem Weibervolk in seiner Familie zu entrinnen, seine Gattin, Grandma Hanks, ein liebenswürdiges und mit allen Wassern gewaschenes Großmütterchen, deren Tochter Henrietta (Hank) Hanks, die immer einen kühlen Kopf bewahrt, und wiederum deren Tochter Lucy, ein naives, blondgelocktes und herzallerliebstes Geschöpf, das einen Narren an Sheriff Sikes gefressen zu haben scheint – und umgekehrt. Und da Lucy natürlich das Engelchen der Familie ist, sind Opa, Oma und die Mama stets zur Stelle, wenn es für Lucy und ihren angebeteten Helden brenzlig zu werden droht. Denn die Hanks sind nicht nur schlau wie Füchse, durchtrieben wie Coyoten und hinterlistig wie Klapperschlangen, sondern auch noch schießwütig und treffsicher. So schleppt Opa stets ein Gewehr und einen Colt mit sich rum, und selbst Oma und Mutter Hanks finden in ihren Handtaschen immer Platz für irgendein Schießeisen.

 

Und so mischen sie kräftig mit im Städtchen Wretched, wenn irgendein Unheil ausbaldowert wird, das es zu verhindern gilt. Ob es nun böse Banditen oder skrupellose Geschäftemacher und Landpiraten sind, mit den Hanks ist nicht gut Bohnen essen, wenn sie ihre Schießeisen blankziehen, und selbst die berüchtigtsten Revolverhelden des Wilden Westens lernen das Fürchten.

 

Natürlich sticht diese Serie allein durch die mit viel Augenzwinkern und lustigen Gags erzählten Geschichten aus der Flut der in den 1950er und 1960er Jahren produzierten Westernserien heraus, die auch das deutsche Fernsehen jahrelang dominierten. Die Gags sind allerdings – wie das in den 1960er Jahren so üblich war – nicht aus der untersten Schublade gezogen, sondern bisweilen dezent und durchaus "gehobener" Art, wenn man mal von dem "Running Gag" des tollpatschigen Sheriffs absieht.

 

Nicht immer nur Schenkelklopfer und darauf abgezielt, das Publikum lauthals auflachen zu lassen, sondern auch mal kleine Details am Rande, die für Schmunzeln sorgen – wie zum Beispiel die Frage, ob die Hanks-Ladies denn nun ein Schießeisen dabei haben und wenn ja, welches … Oder wenn nicht, wie sie sich denn diesmal aus einer brenzligen Situation retten …

Auf der zweiten Seite geht es weiter mit Petes Erinnerungen an die 60er und den DVD-Tipp zur Serie!

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