Quentin Durward

25.06.11

Ich war noch ein kleines Mädchen, als Quentin Durward erstmals über unsere Bildschirme ritt, und meine Erinnerungen daran sind nicht sehr deutlich - bis auf die Tatsache, dass dieser junge Mann sehr gut aussah, und das konnte ich auch in dem Alter schon sehr gut beurteilen ... Pete, der etwas älter ist und obendrein ein Faible für Abenteuerstoffe hat, sah diese Serie als Junge natürlich mit anderen Augen, und was er mit Quentin Durward erlebte, erzählt er Euch hier.

Das Bildmaterial stammt von der DVD "Quentin Durward", die bei Pidax-Film erschienen ist,
herzlichen Dank an Pidax für die Erlaubnis, die Screenshots zu verwenden.

Nicht nur als TV-Nostalgiker, sondern auch als Liebhaber historischer Stoffe freute ich mich natürlich sehr, als vor nicht allzu langer Zeit die Serie "Quentin Durward" auf DVD aufgelegt wurde. Nach den legendären Weihnachts-Vierteilern, die Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre im Zweiten Deutschen Fernsehen durch ihre beeindruckende Umsetzung klassischer Abenteuerromane für Furore gesorgt hatten und deren Beliebtheit sich bis heute hält, war es natürlich nur eine Frage der Zeit, bis man das Format von vier 90-Minuten-Episoden auf ein halbstündiges Serienformat verkürzen würde.

Einen der ersten Versuche in diese Richtung stellt "Quentin Durward" zweifelsohne dar. Aber der Grund, warum ich mich ganz besonders über die Veröffentlichung dieser Serie freue, ist eine Erinnerung an den Sommer 1971 in Verbindung mit dieser Abenteuergeschichte ...

 

Es war ein schwülheißer Sommer, und meine Eltern waren wieder mal nicht sonderlich begeistert, zog ich es doch vor, die Sommertage und –Abende lieber zuhause im angenehm kühlen Heim vor der Flimmerkiste oder hinter einem spannenden Buch vergraben zu verbringen, statt wie andere Kinder draußen rumzustrolchen und irgendwelchen Blödsinn auszuhecken. Ich war damals 12 und begann, ab und zu aufmüpfig zu werden (was eher seltener der Fall war) oder schlechte Schulnoten nach Hause zu bringen (was leider etwas öfter der Fall war), und dies wurde dann mit der schlimmsten Strafe geahndet, die es für mich geben konnte: Fernsehverbot! Man darf mir glauben, ich hätte es vorgezogen, wenn man mir den Hintern vollgehauen hätte: lieber im Stehen Fernsehen als gar nicht ...

 

Und so kam es, dass ich an einem Sommerabend des Jahres 1971 dazu verdammt war, mich irgendwie zu beschäftigen, nur eben nicht mit Fernsehen - und das war besonders schlimm, hatte ich doch bis dahin wöchentlich mit Spannung die Abenteuer des schottischen Edelmannes Quentin Durward im Frankreich des 15. Jahrhunderts verfolgt, die ihrem Höhepunkt entgegen strebten.

 

 

Und genau diesen Ausgang der Geschichte sollte ich nun nicht miterleben dürfen! Ich tappte in der Wohnung rum wie ein Tiger im Käfig und suchte verzweifelt nach einem Ausweg, während ich aus dem Wohnzimmer den Fernseher hörte und mitbekam, wie das Programm sich unaufhaltsam dieser Serie näherte. Ich meine, die Serie wurde damals um 19:10 Uhr ausgestrahlt, und bis dahin waren es nur noch wenige Minuten ... und keine Lösung des Problems in Sicht. Verflixt, aber meinen Helden im Fernsehen war in solchen Situationen doch auch immer was eingefallen ...

Es mag so etwa gefühlte zwei Minuten vor Beginn der finalen Episode gewesen sein, als ich beschloss, mich widerwillig nach draußen zu verdrücken - alles erschien mir besser als im Nebenraum akustisch mitverfolgen zu müssen, was ich im Wohnzimmer nicht sehen durfte. Ich begab mich also in Gottes Freie Natur und landete, als hätte der Himmel ein Einsehen mit dem kleinen, fernsehsüchtigen Pete gehabt und ihn dort hin gelenkt, auf einem ehemaligen Baugelände, auf dem vor Kurzem Nachbarn ein Einfamilienhaus errichtet und neu bezogen hatten. Und als ich so durchs hüfthohe Unkraut schlich, erblickte ich die Lösung meines Dilemmas – die Nachbarn in dem neuen Haus schauten fern und hatten dabei, wegen der sommerlichen schwülwarmen Witterung, die Terrassentür weit geöffnet!

 

Jetzt gab es kein Halten mehr - der kleine Pete schlich und kroch flugs durchs Gesträuch, nahm Dreck, Ungeziefer, Spinnen und Käfer in Kauf, bis er an eine noch unbepflanzte Böschung am Rande der besagten Terrasse gelangte. Dort hieß es dann noch wenige Meter über den Erdboden kriechen, sich den besten Platz zu suchen, von dem aus man den besten Blick auf den Fernseher hatte und sich mucksmäuschenstill zu verhalten. Nur nicht entdeckt werden!, sagte ich mir, und ich hielt jedes Mal den Atem an, wenn einer der im Wohnzimmer sitzenden Zuschauer einen Blick zur Terrassentür warf oder aufstand, um sich etwas zu trinken oder zu knabbern zu holen! Es war eine halbe Stunde voller quälender Anspannung, die ich nie wieder vergessen habe – genauso wenig wie die Serie "Quentin Durward", die ich trotz grausamen Fernsehverbotes doch noch zu Ende sehen konnte.

 

Und ja - man hat mich "erwischt" - aber erst, als die Folge rum war, ich mich auf meinem Beobachtungsposten ungeschickt bewegte (Erdklumpen sind nun mal eine äußerst unbequeme Unterlage) und der Hausherr mich bemerkte und ziemlich ungehalten war. Gleich darauf schickte er mich wütend weg, knallte die Terrassentür zu, schob den Vorhang vor, und aus war’s mit meinem "Public Viewing". Aber ich hatte ja erreicht, was ich wollte ...

Meine Eltern haben übrigens davon erst erfahren, als ich mit ihnen viele Jahre später in Erinnerungen schwelgte.

 

 

Heute mit den Augen eines wesentlich erfahreneren erwachsenen Serienfans betrachtet, verliert "Quentin Durward" allerdings ein wenig an Reiz, ist die Geschichte doch im Vergleich zu anderen Serienklassikern eher behäbig und schwerfällig inszeniert. Dennoch, allein wegen der damit verbundenen Kindheitserinnerung, stellt diese Historienserie ein besonderes Kleinod für mich dar.

 

Und worum es letzten Endes bei Quentin Durward ging, verrät Pete auf der nächsten Seite ...

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