KUNG FU

06.04.13

Die etwas andere Westernserie

von Pete

Bei den vielen Mails, die ich zu meiner Homepage erhalte, war auch schon des öfteren die Anfrage dabei, ob ich etwas zu "Kung Fu" schreiben könnte. Meine Antwort war meist, dass ich die Serie zwar kenne und auch gesehen habe, aber die Erinnerungen zu nebelhaft seien und ich darüber hinaus keine besondere Beziehung zu dieser Serie hätte. Außerdem habe ich sie mehr als langweilig in Erinnerung ... Ja, für ein kleines Mädchen war "Kung Fu" wahrscheinlich wirklich nicht geeignet, aber die Jungs in meinem Alter sahen das wohl anders. Als ich dann vor kurzem ein Review von Pete in den tvforen sah, war mir klar, dass dies genau das war, worauf hier schon so viele warten. Danke an Pete, dass er mir erlaubt, dies hier zu veröffentlichen:

 

© aller Fotos: Warner Bros./Screenshots aus den DVDs

Es war ein Samstag Abend Anfang der Siebziger Jahre, der Wohnzimmertisch war mit zahlreichen Leckereien gedeckt und mein alter Herr musste mal wieder mehr oder weniger freiwillig auf die Sportschau verzichten, und als die Mainzelmännchen auf den Knopf der Nachttischlampe drückten und der Werbung den Garaus machten, sah man einen Mann im Schlapphut und in ärmlicher Kleidung durch eine endlose Wüste marschieren. Im Hintergrund erklang die Stimme eines farbigen Sängers namens Carl Douglas..."Oooohhh – ho – ho – hoooo...." (Vielleicht war’s auch erst am Ende der Sendung, so genau weiß ich das heute nicht mehr).

Und damit begann die samstägliche Odyssee des jungen Shaolin-Mönchs Kwai Chang Caine auf den heimischen Bildschirmen in Deutschland.

 

Die Screenshots dieser und der folgenden Seiten stammen aus den Folgen "Caine und der Kopfgeldjäger",
"Caine und das Band der Vergangenheit" und "Caines Blutsbruder" (die ersten drei Folgen aus der ersten Staffel).

 

Was die deutschen Zuschauer zu sehen bekamen, war völlig neuartig und ungewohnt, gewissermaßen ein Kulturschock: Denn vordergründig war dies eine Westernserie, die allerdings mit Elementen der asiatischen Philosophie und Kampfkunst angereichert war. Dies wollte an und für sich auf den ersten Blick nicht so recht zusammenpassen, und was natürlich noch schlimmer war – jede Folge enthielt auch Kampfsequenzen, die man in Deutschland bis dahin allenfalls im Kino gesehen hatte (im Jahre 1973 erblickte der erste "Eastern" – Kampfsportfilm aus Hong Kong das Licht einer deutschen Leinwand – "Das Schwert des gelben Tigers" war er betitelt worden und ziemlich brutal, wurde zu Videozeiten auf den Index gesetzt und stark beschnitten, und ich war damals zu jung, um solche Filme im Kino sehen zu dürfen ...).

 

Im Gegensatz zu den Kinofilmen wurden diese Kampfsequenzen dann auch noch in Zeitlupe gezeigt, so dass der Zuschauer in allen Einzelheiten zusehen konnte, wie ein Bösewicht einen nackten Fuß ins Gesicht bekam oder ein Arm verdreht wurde oder ein Mann mit Handkantenschlag ins Reich der Träume geschickt wurde. Hinzu kam allerdings auch die Philosophie der Shaolin-Mönche, die uns der heranwachsende wie der erwachsene Kwai Chang Caine und seine Mentoren, die Priester Khan und Po, vermittelten.

 

"Kung Fu" hieß die Serie, und sie wurde zum Renner – vielleicht weniger hierzulande denn in Amerika, wo sie ein Erfolg wurde. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache zu verdanken, dass die Familie Carradine maßgeblich an der Serie beteiligt war, spielte der junge David Carradine doch die Hauptrolle, sein berühmter und bereits von Gicht gezeichneter Vater John spielte in mehreren Folgen mit, ebenso wie seine Brüder Keith und Robert und sein Onkel Richard in der Serie zu sehen waren.

Die Mischung aus Western, asiatischer Kampfkunst und Philosophie kam an.

 

 

Die Musik, bei uns abgewandelt (denn das von Carl Douglas zum Disco-Renner gemachte Titellied "Kung Fu Fighting" gab es wohl nur in der deutschen Fassung), war einprägsam, ebenso wie die Titelsequenz, in der man Kwai Chang Caine beim Training im Shaolin Tempel sah, und die Endsequenz, in der Caine durch die Wüste stapft.

 

Die Geschichte, die erzählt wird, ist phantastisch: Kwai Chang ist der Sohn des Seekapitäns Caine, der mit einer Chinesin verheiratet ist. Nach dem tragischen Tod der Eltern begibt sich der Waisenknabe Kwai Chang zum Shaolin-Kloster, um dort mit unzähligen anderen Jungen um Aufnahme zu bitten. Er ist einer der wenigen, die lange genug ausharren, bis sie eingelassen werden. Doch Kwai Chang ist ein Halbblut. Nur der Abt Meister Khan erkennt das Potenzial des Jungen und macht eine Ausnahme, indem er einen Schüler von unreinem chinesischem Blut akzeptiert. Es dauert nicht lange, bis Kwai Chang zum Lieblingsschüler des blinden Meisters Po wird, der ihn liebevoll "Grashüpfer" nennt und ihn so nennen wird, bis er erwachsen ist.

 

Am Ende seiner Lehrzeit muss Kwai Chang einen Kessel mit glühenden Kohlen vor einem Ausgangstor wegschieben. Dadurch brennt sich ihm das Zeichen der Shaolin-Priester, ein Tiger und ein Drache, in die Haut der Unterarme. (Diese Szene finden wir übrigens in zahlreichen Easternfilmen aus Hong Kong wieder, die ebenfalls das Leben im Shaolin-Kloster zum Inhalt haben).

Als Kwai Chang schließlich eines Tages in der Stadt dem blinden Meister Po begegnet, wird dieser von dem halbwüchsigen Neffen des Kaisers ermordet.

 

 In unbändiger Wut und im Schmerz über den Verlust des blinden Freundes tötet Kwai Chang den Neffen des Kaisers. Daraufhin wird er zum Geächteten und schafft es mit knapper Not, China zu verlassen und nach Amerika zu gehen. Hier erfährt er, dass er einen Halbbruder namens Daniel hat, der irgendwo im Westen lebt. Caine macht sich auf die Suche nach seinem einzigen Verwandten. Auf dem Weg begegnet er Menschen, denen er in ihrer Not beisteht – Farmern, farbigen Siedlern, mexikanischen Bauern, Indianern, Eisenbahnarbeitern, Minenarbeitern und Revolvermännern. Und immer lauert eine tödliche Gefahr in seinem Nacken, denn der chinesische Kaiser hat ein Kopfgeld von 10.000 Dollar auf ihn ausgesetzt, und sowohl amerikanische Kopfgeldjäger als auch chinesische Kämpfer wollen sich diese Prämie verdienen ...

 

 

Zugegeben, die damalige Unart, das Bild abgemattet zu zeigen und die Kamera oft gegen das Sonnenlicht einzusetzen sowie die Zeitlupe waren schwer gewöhnungsbedürftig, aber Serienfans gewöhnten sich an alles. Auch an Zeitlupe.

Zudem stellte diese Serie den letzten Versuch dar, den inzwischen leider totgesagten Fernsehwestern nochmals zu beleben. Leider war der Western nach dem Auslaufen von "Kung Fu" wirklich tot. Der Karatefilm allerdings erlebte nicht zuletzt durch diese Serie einen richtigen Boom auf der Kinoleinwand westlicher Lichtspielhäuser.

 

Die Filme landeten hierzulande allerdings fast allesamt auf dem Index, weil sie von den Jugendschützern zu brutal empfunden wurden (leider ist dies auch heute noch so), aber spätestens nach der ersten Begegnung mit einem Bruce Lee – Film und den im ZDF ausgestrahlten Historien-Eastern-Meisterwerken des Regisseurs King Hu und der Karatefilme wie "Die 36 Kammern der Shaolin" war ich Eastern-Fan und bin es bis heute geblieben – und damit Teil einer bis heute bestehenden und stetig wachsenden Fangemeinde.

Wegbereiter war ohne Zweifel die TV-Serie "Kung Fu".

 

Ich möchte sogar soweit gehen, zu behaupten, dass auch asiatische Restaurants in Deutschland von der Serie profitierten, standen die Menschen der fremden Küche doch fortan nicht mehr so misstrauisch,  sondern eher neugierig gegenüber und wollten wissen, was dahinter steckt.

Wie Kam Yuen, der Shaolin-Berater der Serie, in einem Interview sagte, schossen seit den Bruce Lee-Filmen und seit der Ausstrahlung von "Kung Fu" die Kampfsportschulen aus dem Erdboden und konnten fortan sozusagen an jeder Straßenecke einer amerikanischen Großstadt gefunden werden. Geschickt verknüpfte die Serie die Erlebnisse Caines im Wilden Westen mit ähnlich gelagerten Erlebnissen Caines im Shaolin-Tempel, die in Rückblenden erzählt werden. Hauptpersonen dieser Rückblenden waren meist die beiden asia-amerikanischen Darsteller Phillip Ahn (Meister Kahn) und Keye Luke (Meister Po).

 

 

Weiter mit Petes Eindrücken und Informationen geht es auf der nächsten Seite ...

 

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