Gertrud Stranitzki

05.04.13

 

 

Paraderolle für Inge Meysel

"Gertrud Stranitzki" war eine beliebte deutsche Serie, die in den Regionalprogrammen der ARD 1966 erstmals ausgestrahlt wurde. Daran erinnere ich mich natürlich nicht mehr – damals ging ich noch in den Kindergarten. Ich vermute daher, dass die Serie in den 70ern noch einmal wiederholt wurde, sonst wären mir die Namen "Gertrud Stranitzki" und "Ida Rogalski" nicht so vertraut gewesen.

Ich bin fest davon überzeugt, die Serie mit meiner Oma zusammen gesehen zu haben. Meine Oma hieß auch Gertrud, ebenso wie meine Kindergartenfreundin von nebenan, auch "Nachbars Gertrud" genannt. Der Name war damals schon etwas altmodisch, trotzdem mag ich ihn – kein Wunder, es ist mein zweiter Vorname.

Leider kann man über die Sendetermine nichts genaues finden, die nächste Wiederholung soll erst 1989 gewesen sein, das kann ich jedoch nicht glauben.

 

 

Die Hauptdarstellerin beider Serien, Inge Meysel, war bereits zur "Mutter der Nation" geworden, als sie die "Gertrud Stranitzki" spielte, eine sog. "Zwischenmeisterin" (vgl. Wikipedia), die mit ihren Näherinnen für das Modehaus Weniger & Wolf  arbeitet. Verheiratet ist sie mit dem Krimifan Albert.  

Hört sich das spannend an? Nein, ist es auch nicht. Aber – auch nicht im mindesten langweilig.

"Gertrud Stranitzki" ist eine äußerst kurzweilige und sehr liebenswerte Serie mit einer großartigen Hauptdarstellerin. Sie war Inge Meysel sozusagen auf den Leib geschrieben worden von dem bekannten Autor Curt Flatow. Alltägliche Geschichten, die jedem passieren können und in die sich jeder hineindenken konnte, dazu viel Zeit- und Lokalkolorit. Wobei einem der Zeitkolorit erst heute so richtig auffällt ... Wunderschöne Bilder von Berlin in den 60ern, es wird noch kräftig geraucht in der Serie, der Käfer ist das meistgefahrene Auto ...


Gertrud Stranitzki und Gerd Weniger

 

 

Typisch für die damalige Zeit war es wohl auch, dass die Chefin ihre Näherinnen duzt und nur mit Familiennamen anspricht (sie sagt z. B. nur "Tiede", nicht "Frau Tiede"), die Näherinnen wiederum siezen ihre Chefin. Gertrud Stranitzki siezt hingegen den Inhaber des Modegeschäfts Weniger, der spricht sie mit "Stranitzki" an und duzt sie. Heute würde das vermutlich niemand mehr machen.

"Gertrud Stranitzki" war vielleicht nicht nur wegen den alltäglichen Geschichten und der energischen, sich ständig in die Privatangelegenheiten ihrer Mitarbeiterinnen einmischenden Protagonistin beliebt, sondern auch, weil sie eine erfolgreiche Geschäftsfrau war, die mitten im Leben stand, die Auto fuhr und die dem damaligen Standard der Frauenrolle in Film und Serie eigentlich nicht entsprach. Auch für Inge Meysel war es untypisch, mal keine Mutter zu spielen, jedoch machte sie das wett, indem sie ihre Näherinnen bemutterte.

 

Auf Seite 2 geht es weiter mit Infos, Fotos und dem DVD-Tipp zur Serie!

 

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