alpha alpha

26.12.15

Sci-Fi made in Germany ...

Erinnerungen von Pete
(Fotos: Screenshots aus den DVDs,
© Studio Hamburg Enterprises)

Im Frühsommer des Jahres 1972 wurde ich während eines Schulausfluges nach Rothenburg Ob der Tauber – ich glaube, es war bei der Kurzlektüre einer Jugendzeitschrift – auf die Science-Fiction–Serie "Alpha Alpha" aufmerksam, die mir bis dahin tatsächlich entgangen war. Kaum nach Hause zurückgekehrt, hieß das für mich, der Serie an einem Mittwochabend die Chance zu geben, denn das ZDF hatte die Serie produziert und strahlte die Episoden im Vorabendprogramm kurz nach 19.00 Uhr aus.

Nun, um es ehrlich zu sagen, mag es wohl an dem Genre gelegen haben, denn ich tat mich damals schon sehr schwer mit Science Fiction – und das ist bis heute so geblieben. Besonders beeindruckt war ich in Kindertagen nicht von "Alpha Alpha", und meiner Familie ging es ebenso. Doch diesen Eindruck musste ich als Erwachsener revidieren, als ich die Serie nicht wie damals noch auf einem alten Schwarzweiß-Fernsehgerät, sondern restauriert und in Farbe auf der DVD-Veröffentlichung wiedersah – zugegeben, mit mehr als gemischten Gefühlen, die auf meine Jugenderinnerungen zurückzuführen waren und mir eher Langeweile verhießen.

 

 

Selten habe ich mich so geirrt wie in diesem Fall.

"Alpha Alpha" ist der Codename eines Spezialagenten der Geheimorganisation I.N.T.E.R.  Diese Organisation, deren Standort in den Geschichten nicht ganz eindeutig offenbart wird, hat sich zur Aufgabe gemacht, der durch die Machenschaften der Menschheit drohenden Selbstvernichtung der Erde entgegenzuwirken. Meist wird die Geheimorganisation dabei mit mysteriösen Phänomenen konfrontiert, die oft auch einen verbrecherischen Hintergrund haben.

Dr. Michael Dahlen, Studienrat der Naturwissenschaften, gerät ins Visier der Organisation, als er durch ein paar spektakuläre Aktionen auf sich aufmerksam macht. Sofort unterzieht man Dahlen einem Trainingsprogramm, denn er scheint prädestiniert für die Aufgaben des Top-Agenten mit dem Decknamen Alpha.

Unterstützt wird Dahlen, den die vielschichtigen Aufgaben des Alpha-Agenten enorm reizen, von der blonden Computerspezialistin Beta und dem wortkargen Agenten Gamma, mit dem Dahlen zunächst nicht so recht warm werden will.

 


Alpha


Beta


Gamma

 

Besonders seltsam mutet dabei die durchaus spießige Vorgehensweise der frühen 1970er Jahre an, die dem Agenten zunächst nicht erlaubt, als Vorgesetzter seine Mitarbeiter zu duzen, dann wird munter zwischen "Du" und "Sie" gewechselt – da scheint sich der Autor der Serie dann doch nicht schlüssig gewesen zu sein …

Fortan wird Alpha also in Fälle verwickelt, die mit Logik oder rational zunächst nicht zu erklären sind. Telepathie, Gedankenlesen, eine Zeitreise, Begegnungen mit außerirdischen Intelligenzen und Unsichtbaren, amoklaufende Doppelgänger (eine besonders beklemmend wirkende Episode), Telekinese, Wesensmanipulation und Unsterblichkeit – immer wieder wird Michael Dahlen mit Phänomenen konfrontiert, die Anfang der 1970er Jahre noch utopisch anmuteten und allerhöchstens in Zukunftsromanen zu finden waren.

Dabei greift die deutsche ZDF-Produktion inhaltlich der französischen Science- Fiction–Kultserie "Grenzfälle – Es geschah Übermorgen" vor, die erst anderthalb Jahre später im Abendprogramm des Zweiten ausgestrahlt werden sollte und sich mit ganz ähnlich gelagerten Fällen wie die Kollegen der I.N.T.E.R. befassen würde.

Produziert worden war "Grenzfälle" allerdings noch VOR "Alpha Alpha", sodass es durchaus möglich sein könnte, dass der Autor von "Alpha Alpha" durch die französische Produktion für seine eigene Serie inspiriert wurde. Damit hat es sich aber auch schon mit den Parallelen, denn "Alpha Alpha" ist eine völlig eigenständige, von Regisseur Wolfgang F. Henschel (ein bis heute routinierter deutscher TV-Regisseur) erdachte, geschriebene und inszenierte Serie, die sich bei keinen mir bekannten internationalen Vorbildern jener Tage bedient.

 

 

Verblüffend ist dabei, dass die Ausstattung dieser Zukunftsserie ähnlich minimalistisch daherkommt wie damals die der "Raumpatrouille Orion" im Ersten. Gut, man verzichtet auf Bügeleisen oder Salzstreuer oder ähnliche Gadgets als elektronische Instrumente wie auf der Orion oder der "Enterprise", aber man bedient sich bei der Ausstattung einfachster Mittel. Eine mit zahlreichen blinkenden Knöpfen, einem Bildschirm und einer von der deutschen Schauspielerin Gisela Hoeter (Mutter von Sabine von Maydell) eingesprochenen Computerstimme versehene Sperrholz- Papp- oder Plastikplatte diente als Supercomputer, von Alpha und Beta liebevoll "Klapperkasten" genannt.  Dahlen fährt in der Serie gerne ein Ford Mustang Cabrio, doch auch mal einen alten BMW oder es kommt ein alter, rostiger Opel Admiral zum Einsatz. Einfaches Stanniolpapier dient als Transmitter zur Kommunikation mit Aliens, und der Sender, den Alpha wie eine Armbanduhr um das Handgelenk trägt, könnte auch aus der Gewinnpalette einer Kirmes-Losbude kommen. Und bei einer Zeitreise sieht man deutlich, dass die altertümlichen Klamotten offenbar aus dem Theaterfundus des Komödienstadels stammen.

 
Auf Seite 2 geht es weiter - u. a. auch mit dem DVD-Tipp zur Serie!
 

web analytics

Besucherstatistik

 

Home Zurück Seite 2

Petra Nagel  · Shop · Gästebuch ·  Feedback und Nachricht an mich   ·  Forum ·  Impressum