Das Gold am Krähenberg

20.11.11

Nicht irgendeine Kindheitserinnerung
von Timothy Stahl

Viele Fernsehserien, die ich als Kind sah, hinterließen auf die eine oder andere Art Spuren in mir – aber nur wenige so tiefe wie
"Das Gold am Krähenberg".
 

Obwohl, und das ist das eigentlich Bemerkenswerte, meine Erinnerungen daran höchst bruchstückhaft waren. Was mir allerdings erst bewusst wurde, als ich die Serie im Dezember 2010 nach 36 Jahren endlich auf DVD wiedersehen konnte.

Und seltsam, mit dieser fragmentarischen Erinnerung stand ich offenbar nicht allein auf weiter Flur. Sucht man im Internet nach Informationen über "Das Gold am Krähenberg", stellt sich rasch heraus, dass offenbar nur wenige Leute noch im Detail wissen, worum es da eigentlich ging – aber jedem sind bestimmte Bilder oder Szenen im Kopf geblieben: das Krippenspiel, bei dem plötzlich das "Jesuskind" verschwunden ist; der Umzug und Gesang zum Luciafest; die markante Stimme des Großvaters als Erzähler; das melancholisch schöne Titellied; aber insbesondere natürlich das makabre Versteck für einen Goldklumpen: im Maul eines Schweinskopfs …

 

Aber was ist "Das Gold am Krähenberg" überhaupt? Man könnte sagen: einer der ersten Vertreter jenes Genres, das man heute Schwedenkrimi nennt, spannend, düster, ein bisschen schwermütig. Ein "Thriller", auch wenn es damals noch nicht so hieß, für junge Zuschauer, sechs Teile zu je knapp 30 Minuten. Gedreht im Jahr 1969 unter dem Originaltitel "Kråkguldet", wurde die Serie hierzulande erstmals im November und Dezember 1971 jeweils sonntags im ZDF gesendet und im Herbst 1974 wiederholt. Danach lief sie 1976 und 1977, wiederum kurz vor Weihnachten, nur noch je einmal in einigen Regionalprogrammen.

Der Held der Geschichte ist der neunjährige Staffan. Schauplatz ist das Städtchen Granhyttan zur Winterszeit, abgeschieden gelegen inmitten tief verschneiter Wälder, und auch im Ort türmen sich längs der Wege hohe Schneehaufen, wie unsereins sie selbst kannte und über die auch wir, genau wie der kleine Staffan, damals kaum drüberschauen konnten.

 

 

Früher gab es in der Nähe von Granhyttan ein Eisen- und Kupferbergwerk, das aber längst aufgegeben wurde. Staffans Großvater setzt ihm den Floh ins Ohr, dass dort oben, am Krähenberg, einst auch jemand Gold gefunden habe. Ausgerechnet Staffans eigener Urururgroßvater, der Lange Erik, sei eines Tages mit prall gefüllten Taschen heimgekommen … und wurde noch am selben Abend erschlagen und ausgeraubt. Danach hätten zwar viele Menschen nach dem Gold im Berg gesucht, fündig sei aber keiner geworden. Es wüssten wohl nur die Krähen, wo es versteckt läge.

Als Staffan dann zum alten Bergwerk stromert, scheinen es tatsächlich die schaurig krächzenden Krähen zu sein, die ihn zu dem Goldklumpen führen, um den sich fortan alles drehen soll. Denn obschon Staffan nur seine besten Freunde einweiht, spricht sich sein "Geheimnis" doch schnell herum. Schon bald fürchtet Staffan ganz zu Recht um sein Gold, das ihm schließlich auch gestohlen wird.

 

Verdächtige gibt es genug, und am Schluss wird der Golddiebstahl mitsamt der Hintergrundgeschichte auch aufgelöst, wie es sich für eine ordentliche Kriminalgeschichte gehört. Aber der Weg dahin ist spannend und reich an Wendungen.

Allerdings kann die Handlung allein nicht der Grund sein für den Status, den "Das Gold am Krähenberg" bei denjenigen hat, die den Sechsteiler in den Siebzigern gesehen und nicht vergessen haben. Und auch die Tatsache, dass man der Serie ihre handwerkliche Perfektion bis heute nicht absprechen kann, ist nur eine der Stützen, die dieses Stück Fernsehen heute noch hoch halten. Auf einen Nenner lässt sich der Erfolg dennoch bringen: "Das Gold am Krähenberg" war echt unheimlich – und unheimlich echt.

 

"Echt unheimlich" war die Serie dank der spürbaren Abgelegenheit des Schauplatzes, der kalten, dunklen Jahreszeit, des tiefen Schnees … all diese Komponenten schufen eine Atmosphäre, die schlicht funktionierte, verstärkt natürlich dadurch, dass die Serie bei uns auch im Herbst beziehungsweise Winter über den Bildschirm lief. Graue Sonntagnachmittage im November assoziiere ich seither mit dem "Krähenberg".

 

 

Auf Seite 2 geht's weiter mit Tims unheimlichen Erinnerungen ...

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