Die Schöngrubers

17.12.11

Berlin grüßt Wien ...

Eine TV-Erinnerung von Frank

Es gibt wenige Fernsehserien, deren Premiere ich nach fast vierzig Jahren so gut in Erinnerung habe. Es war ein schöner Sommerabend, der 21. Juli 1972, ein Freitag und ich saß im Kreis der Familie vor dem Fernsehgerät und wir erlebten, warum die Familie Schöngruber aus Wien im Jahre 1910 von dort wegen eines geerbten Mietshauses nach Berlin umsiedeln musste. Meine Mutter zeigte sich besonders begeistert davon, dass unsere Heimatstadt Handlungsort der Geschichte war, was sie auch mit Stolz in der Stimme verkündete. Das lag vielleicht auch daran, dass wir nicht im heimischen Wohnzimmer saßen, sondern tausend Kilometer von zu Haus entfernt in der Schweiz, bei den zukünftigen Schwiegereltern meines Onkels. Dort konnte man das deutsche Fernsehen und damit das Regionalprogramm des Südfunks Stuttgart empfangen, somit für uns ein Stück Heimat und "Exotik" zugleich. Kannten wir von Berlin her  das Telebärchen, so trieben hier Äffle und Pferdle zwischen den Werbefilmchen ihr neckisches Unwesen. Aber das nur nebenbei.

 

 

Jedenfalls war diesem Umstand zu verdanken, dass ich trotz Sommerferien serientechnisch auf dem neuesten Stand blieb, zumal die Serie zu meiner großen Freude als die erste überhaupt in allen Regionalprogrammen gleichzeitig startete und auch in Berlin immer freitags zu sehen war. Ich verpasste also nichts und konnte nach der Heimkehr der Handlung am gewohnten Wochentag ohne Unterbrechung folgen. Die einzelnen Episoden sind zwar in sich abgeschlossen, bauen aber doch chronologisch aufeinander auf.

Das musste auch so sein, denn es gab außer der Erbschaft noch einen zweiten Grund des Umzugs der Wiener Familie nach Berlin. Das wurde am Anfang jeder Folge von einem Erzähler aus dem Off (der grandiose Christian Rohde) berichtet.

Agnes, die Tochter (gespielt von Gabriele Jacoby) will Medizin studieren und das war im Jahre 1910 allein in Berlin möglich.

 

 

Die Eltern Marie Therese Schöngruber (Marika Rökk, die auch im richtigen Leben die Mutter von Gabriele Jacoby war) und Franz Schöngruber (Hans Holt) wollen ihrem einzigen Kind diese Möglichkeit geben. Dafür haben sie also in ihrer Heimatstadt Wien alles aufgegeben. Vor allem Vater Franz, ein begabter Uhrmacher und selbst Sammler kostbarer, alter Uhren. Immerhin kann er sich nun im eigenen Haus im eigenen Geschäft  eine neue Existenz aufbauen. Aber das ist gar nicht so einfach, denn der herzliche, aber rauhe Ton der Berliner ist den Übersiedlern zunächst sehr gewöhnungsbedürftig. Allerdings nicht für mich, kamen mir doch die zwar klischeehaften, aber trotzdem liebenswerten Figuren sehr vertraut vor. Allen voran die "Portjeesche", die Hausmeisterin Käthe Gehrke (Rosemari Kühn) und ihr "Oller" (Dieter Hallervorden). Das Ensemble der Berliner wurde noch durch weitere einheimische Größen ergänzt. Günther Pfitzmann, Gerhard Wollner, Ekkehard Fritsch und Eckart Dux gehörten dazu.

 

 

In  (leider nur) 13 Episoden erleben wir, wie die drei Wiener trotz vieler Hindernisse zum Schluss in der fremden Stadt heimisch werden. Marika Rökk als Mutter Marie Therese, einem ehemaligen Theaterstar,  spielt dabei die treibende Kraft mit gewohnt ungarischem Temperament. Während  Hans Holt als Vater Franz eher der stille, duldsame Typ ist und lange Zeit von Heimweh geplagt wird, legt sie sich mit Nachbarn, Zahnärzten, Handwerkern, Fleischermeistern, Polizisten und anderen Amtspersonen und mit Frau Gehrke an, wenn die wieder mal durch ihre Tratsch- und Geltungssucht Unruhe stiftet. Alle drei Schöngrubers halten jedenfalls zusammen wie Pech und Schwefel, ständig will einer für die anderen Opfer bringen. Das wirkt vielleicht auf den ersten Blick kitschig und die schnelle Lösung aller Probleme klingt nach heiler Welt, denn wirkliche Probleme bleiben außen vor. Aber die offensichtliche Spielfreude des gesamten Ensembles macht das wieder wett.

Auch wenn das echte kaiserliche Berlin vor hundert Jahren sicherlich kein Paradies war, so hatte ich doch beim Wiedersehen der Serie auf DVD einen Riesenspaß an diesen Geschichten um Wiener Charme und Berliner Schnauze in der "guten alten Zeit".

 

 

Soweit zu Franks Erinnerungen, die er dank der kürzlich veröffentlichen DVD-Box auffrischen konnte. Wer es ihm nachtun will, kann die DVD direkt über diese Seite bestellen, natürlich auch über jeden anderen Händler, wie z. B.

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