Geächtet

01.01.13

Erinnerungen von Pete

(Bilder mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film, Screenshots aus den DVDs)

Western und Westernserien waren in meinen Kindertagen Pflicht – angefangen hatte ja alles mit dem Bau der legendären Union Pacific – Eisenbahn (was natürlich der Tatsache zu verdanken war, dass mein alter Herr bei der Eisenbahn arbeitete und die Wildwestlokomotiven es mir angetan hatten) – und so kam ich natürlich auch nicht an "Geächtet" vorbei. In all den Jahren ist mir, der ich in der glücklichen Lage gewesen war, in meinen Kindertagen jährlich sehr harmonische und glückliche Weihnachtsfeste im Kreise meiner Familie erleben zu dürfen, eine spezielle Episode dieser "etwas anderen" Westernserie im Gedächtnis geblieben – "Das Weihnachtsfest" hieß diese Folge, und ich erinnere mich ziemlich genau, dass ich an jenem Vorabend zusammen mit meinem Vater diese spezielle Folge von "Geächtet" schaute – die weiblichen Familienmitglieder konnten der Serie eher weniger abgewinnen.

Zwei weitere Aspekte sorgten dafür, dass ich die Serie über all die Jahre hinweg nie vergaß.

 

 

Das war zum einen das grandiose Titellied, das mich sofort in seinen Bann zog und für mich auch heute noch eines der besten Lieder ist, das je im Vorspann einer Westernserie erklang – und das tatsächlich auf Deutsch zu hören war! Ich erinnere mich auch noch gut, dass ich in meinen Kindertagen lange und oft das Titellied gesungen oder gesummt habe – bis es dann Monate später von der Titelmelodie einer anderen Westernserie, in der Chuck Connors die Hauptrolle spielte (und eine der bewundernswertesten "Vaterrollen", die ich damals in einer Serie gesehen hatte), abgelöst wurde.

Viel später stieß ich als Erwachsener im Internet auf das Original-Titellied und sauste gedanklich sofort wieder durch den Zeittunnel meiner Erinnerungen zurück ins Jahr 1969, als ich zusammen mit meinem Vater "Geächtet" geschaut hatte …  

Zum anderen aber war es die Tatsache, dass die Serie unter der Woche in der ARD lief, was Ende der 60er Jahre für eine Westernserie eher ungewöhnlich war.

 

Zwar liefen Serien wie "Maverick" und "Am Fuß der Blauen Berge" oder "Rauchende Colts" in der ARD, allerdings am späten Sonntag Nachmittag, und fesselten mich bei Kaffee und Kuchen aufs Sofa, aber eine Westernserie an einem Werktag und mit 25 Minuten Laufzeit im Ersten, das war für mich außergewöhnlich und ungewohnt.

Jedenfalls mochte ich "Geächtet". Warum mir allerdings lediglich die Weihnachtsfolge in Erinnerung geblieben war – nun, es mag wohl tatsächlich an meiner Vorliebe für Weihnachten gelegen haben.

Hinzu kommt, dass die Serie als Western für mich "etwas anders" war, wie ich schon erwähnte. Als Kind hätte ich nicht sagen können, woran das gelegen haben mochte. Viele Jahre zogen ins Land, bis ich als Erwachsener auf die amerikanische Originalfassung der Serie stieß und damit die Abenteuer des Titelhelden, Jason McCord, von Anfang an und in Schwarzweiß verfolgen konnte – und daraus erklärte sich dann doch einiges.

 

 

In der Serie geht es um einen "Geächteten". Nicht etwa einen Rebellen, sondern einen Offizier der US-Kavallerie. Captain Jason McCord ist der einzige Überlebende eines Massakers am Bitter Creek, dem seine gesamte Kavallerieabteilung zum Opfer fiel. Nur einem glücklichen Zufall ist es zu verdanken, dass McCord dem Tod entrinnt. Andere Offiziere und Vorgesetzte sehen das allerdings anders und beschuldigen McCord der Feigheit vor dem Feind. Und so erlebt der Zuschauer mit, wie der stolze Offizier Jason McCord unehrenhaft aus dem Militärdienst verstoßen wird. Zu dem Dröhnen der Trommeln reißt ein uniformierter Soldat McCord die Abzeichen von der Uniformjacke, nimmt ihm den Säbel weg und zerbricht die Klinge. Das Griffstück mit einem Teil der Klinge wirft er durch das Tor nach draußen. Jason McCord schreitet stumm durch das Tor und alles, was ihm von seiner Militärzeit geblieben ist, sind sein Stolz, seine Erinnerungen, die Gewissheit, dass er unschuldig ist, die Schmach, die auf ihm lastet – und der gebrochene Säbel.

 

Begleitet wird dies zu Beginn jeder Folge von dem Lied "Geächtet" (im Original "Branded"), dessen Text noch einmal die Geschichte des Jason McCord erzählt, um dem Zuschauer lange Einführungs- und Erklärungssequenzen zu ersparen.

Und so reitet McCord durch den Westen, anfangs nur darauf bedacht, den Menschen aus dem Weg zu gehen, da sie ihn vielleicht erkennen und bloßstellen könnten, dann jedoch auch mit dem Ziel, sich zu rehabilitieren. Dieses Unterfangen ist nicht einfach, denn der Ruf des Feiglings, der ihm anhaftet, eilt ihm voraus … selbst sein Vater, der altgediente General Joshua McCord (großartig gespielt von dem kauzigen John Carradine, dem Vater von David Carradine und dessen Schauspielerbrüdern), muss unter den Anfeindungen leiden, doch er weigert sich an die Schuld seines Sohnes zu glauben.

 

Dass McCord vor seiner Zeit bei der Kavallerie ein Ingenieurstudium abgelegt und Erfahrungen gesammelt hat, kommt ihm sehr gelegen. So kann er in einer Episode der nicht in Deutschland gelaufenen ersten Staffel seine Kenntnisse in einer Minenstadt einbringen, wo ein permanentes Fluten der Stollen die Bergwerksarbeiter in Bedrängnis bringt. Auch später gelingt es ihm, zusammen mit seinem Vater, ein erfolgreiches Ingenieursbüro zu leiten.

 

Auf Seite 2 geht es weiter mit Petes Erinnerungen, dem Liedtext zu "Geächtet" und dem DVD-Tipp zur Serie!

website statistics

Besucherstatistik

Home Zurück Seite 2

Petra Nagel  · Shop · Gästebuch ·  Feedback und Nachricht an mich   ·  Forum ·  Impressum