Eisenbahndetektiv Matt Clark

16.10.11

 

Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von tvforen-User Olaf "Stahlnetz" und Pidax-Film

Beim "Eisenbahndetektiv" geht es mir genauso wie bei den "Abenteuern im Wilden Westen" - kaum eine Erinnerung daran ist vorhanden. Aber der Titel war so prägnant, dass er mir trotzdem im Gedächtnis geblieben ist. Noch mehr im Gedächtnis geblieben ist mir der Hauptdarsteller, wenn auch nicht unbedingt als Matt Clark ... Jim Davis! Richtig, das war doch ... Jock Ewing, Vater des intriganten J.R. und des sanftmütigen Bobby in "Dallas". Nun, es gab ein Leben vor "Dallas" für Jim Davis, nämlich im Wilden Westen, wo er Verbrecher jagte, im Auftrag der Eisenbahngesellschaft, als "Eisenbahndetektiv Matt Clark".

Der folgende Bericht erschien zuerst als Review in den tvforen. Olaf hat mir freundlicherweise erlaubt, ihn für diese Seite zu verwenden, die Pidax gestattete die Veröffentlichung des Bildmaterials. Vielen Dank hierfür!

 

Diese außergewöhnliche Westernserie im 25-Minuten-Kurzformat möchte ich allen Freunden des Genres gerne wieder in Erinnerung rufen. Das ZDF strahlte zwischen dem 6. Juni und dem 12. September 1968 obligatorische 13 Episoden der Reihe aus, jeweils donnerstags im Vorabendprogramm - schon damals ein Highlight unter den vielen Westernserien, die ARD und ZDF dem heimischen Zuschauer anboten. Seither ist der Titel nach meinem Kenntnisstand jedoch nie mehr im deutschen Fernsehen gesendet worden ... und teilt somit das traurige Schicksal zahlreicher anderer Serien jener TV-Ära. Auf heimischen Nostalgieseiten sucht man ebenfalls vergeblich nach detaillierten Infos zu Matt Clark, dessen spannende Fälle den damaligen Zeitungen und amtlichen Aufzeichnungen entnommen wurden, somit allesamt auf historischen Personen und deren Verbrechen basieren.

 


Frankie Adams und Belle Starr

Ob Billy the Kid, Butch Cassidy, Johnny Ringo, die Dalton-Gang oder auch Rothäute wie Geronimo und Häuptling Crazy Horse, alles was Rang und Namen hatte unter den Outlaws und gefürchteten Personen des Wilden Westens, Matt Clark (Jim Davis) trifft in jeder Folge auf mindestens einen von ihnen.


Geronimo

Bei seinen Ermittlungen steht ihm jeweils eine attraktive Eisenbahndetektivin zur Seite, bis Folge 26 ist es Frankie Adams, gespielt von Mary Castle, in den Folgen 27 - 39 (2. Staffel) kommt dann Margaret 'Jonesy' Jones zum Einsatz, dargestellt von Kristine Miller.

 

Beide Damen reisen oftmals schon an die Orte des Geschehens voraus, um dort mit verdeckten Ermittlungen zu beginnen und Beweise zu sammeln. Dazu nehmen sie die verschiedensten Jobs an, arbeiten zur Tarnung als Bankangestellte, als Telegraphistin, als Hotelangestellte oder sogar als Saloon-Girl, und manchmal schleichen sie sich unter falschem Namen auch mal direkt in eine Bande ein. Sie fungieren dabei aber nicht bloß als reine Assistentinnen für den unbestechlichen Helden Matt Clark, sie sind eigenständige Eisenbahndetektive! Sowohl für das Genre des Western als auch für die Produktion anno 1954/55 eine höchst ungewöhnliche und mutige Darstellung des damaligen Frauenbildes, welches seiner Zeit bereits um einiges voraus war ;-)

Da sich Produzent Rudy Ralston des reichhaltigen Footage-Materials der Republic Pictures bedienen konnte, erhielten die einzelnen Folgen zudem ein Höchstmaß an Action- und Stuntszenen sowie monomentale Aufnahmen, wie man sie sonst nur im großen Kino erlebt.

 

 

So entgleist in der Serie gleich mal ein ganzer Zug donnernd in die Tiefe, riesige Eisenbahnbrücken werden gesprengt, die ganze Prärie steht in Flammen oder aufwändige Indianerkämpfe zieren die Mattscheibe - alles Szenen aus einer Fülle von B-Western der Republic Pictures, die (meist) sehr geschickt in das Material der Serienfolgen integriert wurden. Insbesondere aber die zahlreichen Stunts mit Kutschen aller Art reißen den Zuschauer in fast allen Folgen immer wieder in den Bann des Spektakulären ... selbst noch nach weit über einem halben Jahrhundert.

Der semidokumentarische Erzählstil jeder Episode tut sein übriges an der Faszination dieser Western-Anthologie. Der Zuschauer wird unterschwellig an Serien wie "Dragnet" oder das spätere "Dezernat M" erinnert, wenn Matt Clark seine markigen Off-Kommentare spricht, Fakten des Falles erläutert und natürlich sich selbst dem Publikum vorstellt, wenn er erstmals im Bild erscheint: "Ich bin Matt Clark, Eisenbahndetektiv!"

 

Der einleitende Off-Satz jeder Geschichte beginnt übrigens immer mit den nahezu gleichen Worten (frei übersetzt aus dem Original): "Die amtlichen Zeitungsarchive des frühen Westens dokumentierten viele Geschichten über bekannte und berüchtigte Charaktere jener Epoche ..." Der sachliche und deutlich spröde Tonfall im Original lässt unwillkürlich Vergleiche aufkommen mit den Off-Texten von Heinz Engelmann in den "Stahlnetz"-Fällen ...

Die deutsche Synchronisation des Fernsehstudio München ließ Matt Clark in der heimischen Fassung von Horst Naumann vertonen und machte daraus den ähnlichen Standardsatz: "In den Archiven der Zeitungen und in den Akten der Polizei aus der Geschichte des Wilden Westens finden wir die Lebensläufe von berüchtigten Gesetzesbrechern und Banditen ..."

 

 

Auf Seite 2 geht es weiter mit Infos und Olafs Erinnerungen an diese Westernserie der 60er! Dort gibt es auch den DVD-Tipp.

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