Perry Mason

29.05.11

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Erinnerungen von Pete

Der "Vater aller Anwaltsserien" wurde im Jahre 1957, zwei Jahre bevor ich das Licht der Welt erblickte, für das US–Fernsehen produziert und erfreute sich so großer Beliebtheit, dass die Serie bzw. ihr Konzept zu weit über 200 Fällen für Perry Mason und sein Team und zu zahlreichen ähnlich konzipierten Ablegern in den USA und in Deutschland führte (z.B. "Matlock" oder "Ein Fall für Zwei").

Ich selbst war bereits großer Fan der Abenteuer von Perry Mason, lange bevor ich die spektakulären Mordfälle des Staranwalts im Fernsehen verfolgen konnte. Denn als die ersten Episoden in der ARD ausgestrahlt wurden (sie gehören zu den ersten amerikanischen Krimi-Episoden, die im deutschen Fernsehen gezeigt wurden), hatte meine Familie noch kein Fernsehgerät und ich war ohnehin erst drei Jahre alt – zu jung, um mich daran zu erinnern. Erst einige Zeit nach der Erstausstrahlung von Perry Mason schaffte mein Vater von seinem sauer verdienten Arbeitslohn ein Fernsehgerät an, was für mich heute, im fortgeschrittenen Alter, zu unzähligen tollen Fernseherinnerungen führen sollte.

Aber es mussten noch rund 30 Jahre vergehen, ehe ich Perry Mason und sein Team auf dem Fernsehschirm genießen konnte. Zuvor, Ende der 60er Jahre, erlebte ich allerdings zwei Begegnungen mit dem Strafverteidiger, die mich zum glühenden Fan machten.

 

Zum einen stieß ich in der Schülerbibliothek auf einen Roman von Erfolgsautor Erle Stanley Gardner, der die Figur des "Perry Mason" erfunden hatte. Ich war sofort begeistert von dem Kriminalroman, der überwiegend im Gerichtssaal spielte und schilderte, wie Perry Mason gegen alle Widerstände und alle belastenden Indizien der Anklage ein Schnippchen schlug und nicht nur die Unschuld seiner Mandantin bewies, sondern auch den wahren Mörder entlarvte. Wenn ich mich recht erinnere, war mein erster literarischer Perry Mason–Fall "Schlafwandlers Nichte".

Aber noch viel kurioser war meine erste – wenn auch indirekte Begegnung – mit dem Fernseh-Anwalt Perry Mason. Denn die ging zufällig mit meiner ersten Begegnung mit der legendären Comic-Figur "Das Phantom" und dem TV-Agenten John Drake (aus der Serie "Geheimauftrag für John Drake") einher. Aufgrund des Erfolgs der ersten Perry Mason–Episoden in der ARD hatte der Bildschriften-Verlag beschlossen, Perry Mason in sein Bildschirm-Comic-Programm aufzunehmen, in dem bereits die Cartwrights von der Ponderosa, Marshal Matt Dillon mit seinen Rauchenden Colts, der Lone Ranger und Geheimagent John Drake ihren Platz gefunden hatten. An jenem Tag, als ich in einem Kaufhaus heiß begehrte Comic-Abenteuer vom Phantom und Geheimagent John Drake ergatterte, fiel mir auch der Fall vom "Glasauge" ("Indiz: Glasauge") in die Hände, und der wurde gelöst von – Perry Mason. Somit nimmt Perry Mason eine ganz besondere Stellung in meinen Fernseherinnerungen ein.

 

 


© aller Fotos: Paramount

Danach war ich hinter Perry Masons literarischen Abenteuern her wie der Teufel hinter der armen Seele. Aber erst 1998, nachdem mich bereits die neuen anderthalbstündigen Fälle in der Serie "Perry Mason kehrt zurück" begeistert hatten, kam ich in den Genuss der klassischen Folgen, als die Serie im Privatfernsehen ausgestrahlt wurde. 

Was ist nun so besonders an dieser Anwaltsserie? Nun, zum einen merkt man deutlich den Einfluss, den das amerikanische Krimi-Kino auf die Serie hatte. Die Atmosphäre der frühen Folgen aus den Fünfziger und Sechziger Jahren entsprach weitestgehend der Atmosphäre, die wir aus den Kriminalfilmen und Gangsterfilmen jener Zeit kennen – Schlaghosen, Filzhüte, Straßenkreuzer mit Weißwandreifen, und typisch amerikanische Haushalte und Gesellschaftsleben der 50er Jahre.

Zum anderen sind die Kriminalfälle spannend und bieten dem Zuschauer Gelegenheit, gemeinsam mit Perry Mason und seinem Team auf Mörderjagd zu gehen. Auch bei den Romanvorlagen war der Leser in der Lage, bei der Suche nach dem Mörder mitzuraten. Anders als trockene Gerichtsverhandlungen an sich läuft die Lösung der Kriminalfälle jedoch immer auf ein dramatisches Duell zwischen Staranwalt Perry Mason und seinem Erzfeind, dem Staatsanwalt Hamilton Burger, hinaus, das meist im Gerichtssaal entschieden wird. Dabei zieht Perry Mason ein ums andere Mal einen Trumpf aus dem Ärmel und arbeitet mit allen Tricks, auch wenn sie ihn an den Rand der Legalität oder vor die Anwaltskammer zu bringen drohen, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen.

 

 

Der Serie lagen in den ersten beiden Staffeln hauptsächlich die Romanvorlagen von Erle Stanley Gardner zugrunde. Der Workaholic Gardner war selbst praktizierender Strafverteidiger und sehr an neuesten Erkenntnissen der Forensik interessiert gewesen, ehe er sich ganz der Schriftstellerei widmete, und bis heute zählt er zu den erfolgreichsten Krimiautoren aller Zeiten. Anders als sein Kollege Rex Stout (Erfinder des legendären Privatdetektivs "Nero Wolfe") war Erle Stanley Gardner nicht abgeneigt, seine Romane auch in Hörspiel- und Filmfassungen einem breiten Publikum zu bescheren. So ermittelte Perry Mason bereits als "Old Time Radio Show" im Radio, wurde in Spielfilmlänge verfilmt und erschien mit der Fernsehfassung auch in Comicform. Aber erst Hauptdarsteller Raymond Burr (der ansonsten auf Schurkenrollen in Western und Abenteuerfilmen wie "Tarzan bricht die Ketten" oder "Ein Mann allein" festgelegt war) wurde der Figur des Starverteidigers gerecht, wie sie von Erle Stanley Gardner konzipiert worden war.

 

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit dem Strafverteidiger, der nie verliert...

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