Task Force Police

31.12.13

Die Mutter des modernen britischen Fernsehkrimis ...
... meint Pete
(Fotos: Screenshots aus der britischen DVD-Veröffentlichung, ©Simply Media, BBC)

Sie ist die von mir am Sehnlichsten auf DVD erwartete britische Serienveröffentlichung nach "Mit Schirm, Charme und Melone" und für mich die Mutter des modernen britischen Fernsehkrimis. Dabei gehen ihre Wurzeln bereits bis Anfang der 60er Jahre zurück - für mich begann es allerdings Mitte der 1970er Jahre, als "Task Force Police" zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und eine bis dahin nicht gekannte Sehnsucht und Affinität zu Großbritannien in mir auslöste. Und das, obwohl "Task Force Police" doch so weit entfernt von den schießwütigen amerikanischen Fernseh-Cops und rasanten Verfolgungsjagden mit quietschenden, qualmenden Reifen und explodierenden Straßenkreuzern war. Bei den Engländern war alles glaubwürdig, denn die Serie zeigte das "wahre Leben" – den Alltag auf Englands Straßen und in Englands Arbeiterstädten; Polizisten, die innerhalb der straffen Hierarchie-Strukturen ihres Systems ihr Bestes geben, um Verbrechen aufzuklären, Ganoven dingfest zu machen oder ihnen mit Bauernschläue immer auch einen Schritt voraus zu sein;

Beamte, die sich nicht nur mit Mord und Gewaltverbrechen, sondern auch mit Einbrüchen, Bagatellvergehen und Fällen von Kindesmisshandlung und häuslicher Gewalt in sozial benachteiligten Familien befassen mussten. Das waren Fälle, die weit von den Straßen von San Francisco oder Manhattan Süd entfernt waren, und mit denen sich auch ein Oberinspektor Derrick kaum befasst hätte.

 


Stratford Johns als
Chief Superintendent Charlie Barlow


Norman Bowler als
Detective Inspector Harry Hawkins


David Allister als
Police Sergeant Richard Jackson

 

Rasch wurde "Task Force Police" für mich zu einem meiner absoluten Serienfavoriten. So kam es dann auch, dass ich keine Episode verpasste - auch nicht an jenem heißen Spätsommer-Sonntag des Jahres 1977, an dem in meiner Heimatstadt ein Weinfest veranstaltet wurde. Die Familie war, wie sich das gehörte, bei brütender Hitze dort hin getrottet, um zwischen Fachwerkhäusern allerlei Bekannten meiner Eltern zu begegnen, die mich persönlich herzlich wenig interessierten. Die Zeit verrann so zäh wie dicker, neuer Wein, und dennoch drängte sie, denn just an jenem Nachmittag sollte die erste Folge einer neuen Staffel "Task Force Police" ausgestrahlt werden. Dumm war nur, dass ich wenige Wochen zuvor bei der Stadtverwaltung zu arbeiten begonnen hatte und man wohl der Auffassung war, dass den gestrengen Adleraugen des Oberbürgermeisters nicht entginge, wenn seine Mitarbeiter bei diesem Fest nicht zugegen sein würden. Nun, je später es wurde, desto ungeduldiger wurde ich und hielt es zwischen Spielmannszug, Blasmusik und Brezeln, zwischen Zwiebelkuchen und neuem Wein kaum noch aus.

Das Durcheinander an mir meist unbekannten Menschen und dem für mich völlig uninteressanten Zeug, das sie schwatzten und bisweilen auch lallten, ging mir gehörig auf die Nerven. Nur eines zählte – die Männer der Task Force des britischen Städtchens Thamesford!

 


Walter Gotell als
Chief Constable Arthur Cullen


David Lloyd Meredith als
Police Sergeant Bob Evans


Susan Tebbs als
Detective Constable Betty Donald

 

Wie mir schließlich die Flucht aus diesem Gewimmel gelang, kann ich heute nicht mehr sagen. Irgendwie stöberte ich schweißgebadet meine Eltern auf und luchste ihnen mit Engelszungen den Hausschlüssel ab (sie wussten ja, wie wichtig mir diese Serie war, und hüteten den Schlüssel, um zu verhindern, dass ich mich schon Stunden zuvor vom Fest abseilte …), und schon war ich unterwegs nach Hause, so schnell mich meine Füße zu tragen vermochten … was sich allerdings als Spießrutenlauf herausstellte, denn als hätten sie es geahnt, begegneten mir alle zehn Schritt irgendwelche Leute und wollten reden – angefangen vom Abteilungsleiter, einigen Kollegen und ehemaligen Mitschülern bis hin zum Oberbürgermeister höchstpersönlich, der in Sichtweite kam und drohte, mir auch noch in die Arme zu laufen! Doch da war dann das Maß voll – ich suchte die Flucht durch verwinkelte Gässchen, über Kopfsteinpflaster, durch Baustellen und über Gartenmauern, und was soll ich sagen? Keuchend, völlig fertig und bis auf die Haut nassgeschwitzt schaltete ich im kühlen elterlichen Wohnzimmer das Fernsehgerät an und sah das freundlich lächelnde Gesicht einer Fernsehansagerin und im nächsten Augenblick die vertrauten Darsteller aus "Task Force Police", begleitet von der eingängigen, markanten Titelmusik.

Für knapp 50 Minuten vergaß ich meine Heimatstadt, das Weinfest und das  Menschengewimmel und tauchte ab in den Alltag britischer Polizeibeamter. Dabei ist die Serie vergleichsweise arm an Action. Die Spannung ergibt sich aus den brillanten Dialogen, aus dem Zusammenspiel der Charaktere, aus der Mischung aus Studioatmosphäre und Außenaufnahmen.

 


Frank Windsor als
Superintendent John Watt


Terence Rigby als
Police Constable HenrySnow



Polizeihund Inky

 

Die Serie bemüht sich den Anschein zu erwecken, als trügen sich die Ereignisse tatsächlich Woche für Woche, angefangen von Ende 1969, in der kleinen Stadt Thamesford in Nordwestengland zu. Detective Chief Superintendent Charles Barlow wird beauftragt, in der Stadt nicht nur den lahmen Polizeiposten auf Vordermann zu bringen, sondern auch eine Sondereinheit, die "Task Force", zu bilden – eine Truppe, die jederzeit einsatzbereit sein soll. Barlow selbst ist ein Vollprofi, ein Perfektionist, der von seinen Kollegen äußersten Gehorsam und Professionalität verlangt, sich aber auch bedingungslos vor sie stellt, wenn es sein muss. Er hat selbst die Willkür seiner Vorgesetzten am eigenen Leib spüren müssen, wurde er doch einige Jahre zuvor wegen einer Entscheidung, die einigen Leuten sauer aufstieß, vom Dienst suspendiert. Was Barlow in Thamesford vorfindet, sind Polizisten, die es weder mit der Dienstauffassung noch mit der Arbeitszeit allzu genau nehmen. Als er eintrifft, raucht es erst mal gehörig im Karton, dann aber bringt er den gesamten Laden auf Trab – denn ein kleiner Junge wird vermisst, und die Beamten tun – nichts! Und nichts kann Chief Superintendent Barlow mehr auf Palme bringen als Untätigkeit – vor allem, wenn es um das Leben eines Menschen geht!

 

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