Thriller

11.08.14

... aka "Brian Clemens' Thriller"
Erinnerungen von Pete
(Bilder: Screenshots aus den DVDs, mit freundlicher Genehmigung von Pidax-Film)

 

Der 10.06.1979 war ein Sonntag. Das ist an sich nicht Ungewöhnliches, und da die Sonne schien, war es an sich auch ein guter Tag. Das weniger Gute an jenem Frühlings-Sonntag war, dass ich dazu verdonnert worden war, Wahlhelfer zu spielen – denn es war der Tag der Europawahl, und so verbrachte ich den viel versprechenden sonnigen Frühlingstag zusammen mit meinem ehemaligen Mathematiklehrer in einem Wahllokal in der örtlichen Handels- und Gewerbeschule.

Das Fernsehprogramm an jenem Tag konnte ich auf Grund der Wahlberichterstattung ohnehin knicken, und so blieben nur eher triste Aussichten für den Rest des Tages, bis auf … ja, bis auf die Tatsache, dass an jenem Abend im ZDF zu später Stunde eine neue Serie an den Start ging. Eine Serie, die es in dieser Form bis dahin im deutschen Fernsehen nicht gegeben hatte. Es war der Abend, an dem die neue Anthologieserie "Thriller" erstmals ausgestrahlt werden sollte.

 

 

Ich meine mich daran zu erinnern, dass sich die Ausstrahlung der ersten Episode wegen der Wahlberichterstattung verzögerte, und so fieberte ich dem Beginn der Episode mit dem viel versprechenden Titel "Das schwarze Haus" entgegen, während mein alter Herr im Sessel neben mir den Schlaf der Gerechten vor sich hin schlummerte bzw. schnarchte und der Rest der Familie anderweitig beschäftigt war …

Die neue Thriller-Serie versprach Hochspannung und kam aus dem Land, das für Krimispannung schon lange berühmt war – England. Erdacht wurde die Serie von Brian Clemens, neben Jimmy Sangster damals der wohl populärste britische Thriller-Autor, der zuvor schon mit den beiden abendfüllenden Thrillern "Tödliche Ferien" und "Stiefel, die den Tod bedeuten" auch in deutschen Lichtspieltheatern für Furore gesorgt hatte. Deutschen Fernsehzuschauern war Brian Clemens hingegen auch kein Fremder mehr, denn mit der von ihm ins Leben gerufenen legendären Krimiserie "Mit Schirm, Charme und Melone"  hatte er  einen unvergesslichen Kult-Hit geschaffen, der bis heute zu den beliebtesten Krimiserien der Fernsehgeschichte zählt.

 

 

Nun war Brian Clemens also auf dem besten Wege, mit seiner Serie "Thriller" (um sie von einer von Boris Karloff moderierten amerikanischen Serie gleichen Titels aus den 60er Jahren zu unterscheiden, wurde die britische Anthologie auf der Insel auch als "Brian Clemens' Thriller" ausgestrahlt) im deutschen Fernsehen einen weiteren Erfolg zu landen. Um es gleich vorwegzunehmen, es gelang ihm und bereitete zugleich auch den Weg für Brian Clemens' dritten Publikumserfolg, "Die Profis" …

In Sachen Krimi war der deutsche Fernsehzuschauer inzwischen von Serienprodukten aus Übersee verwöhnt, und so überraschte die Machart von "Thriller" dann doch, denn die Serie fiel aus dem Rahmen. Zwar wurden auch in sich abgeschlossene Geschichten erzählt, aber da war zunächst die Laufzeit – die Episoden liefen im Schnitte eine starke Viertelstunde länger als amerikanische Serienepisoden. Dann musste sich der Zuschauer auf die eher unterkühlte, nüchterne britische Studioatmosphäre einlassen, in der viele Serien der 70er Jahre gedreht wurden, denn Brian Clemens mochte keine Außenaufnahmen in seiner Serie und beschränkte sich damit auf ein Minimum.

 

Und schließlich kam die britische Thrillerserie fast gänzlich ohne Brutalität, Action oder gar Blut aus. In ihrer Machart und Atmosphäre erinnerte sie sehr an die legendäre Polizeiserie "Task Force Police", doch in Sachen Spannung übertrumpfte sie alles bisher da gewesene.

 

 

Clemens schrieb die Mehrzahl der insgesamt 43 Episoden, von denen lediglich 11 Folgen vom ZDF angekauft und ausgestrahlt wurden, selbst. Ihm kam es darauf an, mit minimalsten Mitteln Hochspannung zu erzeugen. Das Ticken einer Pendeluhr, das Knarren einer Holztreppe oder einer Tür, das Hallen von Schritten, Schatten an den Wänden … vor allem aber die Mimik und das Spiel der Protagonisten, all diese Mittel dienten Clemens dazu, den Zuschauer vor den Bildschirm zu bannen.

Da die Episoden in England auch noch durch zwei Werbeblöcke unterbrochen wurden, baute Clemens vor jedem Block einen kleinen Cliffhanger ein, nur um den Zuschauer dann am Ende der Thriller-Episode häufig mit einer völlig überraschenden Wendung zu verblüffen.

Weiter geht es mit Petes Erinnerungen zu einer Serie, wie wir sie bisher noch nicht kannten, auf Seite 2 - dort gibt es auch den DVD-Tipp zur Serie!

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