Wolken über Kaprun

29.05.11

von Pete (Einleitung von mir)

Als ich 13 war, schleppte mich meine Schulfreundin Gertrud mit zur "Gruppenstunde", die von der Katholischen Jugend organisiert wurde. Eigentlich hatte ich nicht wirklich etwas übrig dafür (und ich habe komplett verdrängt, was wir in diesen Gruppenstunden machten), aber im Sommer war eine Ferienfahrt nach Österreich geplant! Es ging nach Viehhofen im Salzburgerland, ziemlich in der Mitte zwischen Zell am See und Saalbach gelegen. Diese Ferien gehörten zu den schönsten Erlebnissen meiner Jugend (und es war auch so der einzige Urlaub, wenn man die Ferien bei Onkel und Tante mal ignorierte). Jeden Tag war etwas los, einmal ging es nach Salzburg, dann nach Zell, einmal nach Saalbach – und einen Tag nach Kaprun. "Kaprun" – schon der Name klang wie Musik in meinen Ohren.
Wir gingen praktisch am Rande der riesigen Schlucht spazieren, und ein ähnliches Glücksgefühl hatte ich erst etliche Jahre später wieder – im Grand Canyon. Noch heute ist der Name Kaprun bei mir äußerst positiv besetzt und wurde nur durch das schwere Unglück im Jahr 2000 überschattet.

 

Von der Fernsehserie "Wolken über Kaprun" hatte ich hingegen noch nie gehört, kein Wunder, lief sie doch, als ich mich noch nicht für dramatische Verwicklungen unter Erwachsenen interessierte, sondern vielmehr für die Kinderstunde. Pete war jedoch schon etwas weiter, und noch heute ist er vom Genre des Heimatfilms fasziniert. Also, was lag näher, als sich mit der Serie intensiver zu befassen und zu beschreiben, worin es in "Wolken über Kaprun" geht? Ein kleines Review dieser Serie hat Pete schon vor Monaten in den tvforen veröffentlicht, und Teile davon darf ich nun auch auf meiner Seite zeigen – vielen Dank an Pete und danke an Pidax Film, bei denen das Copyright für die Bilder liegt und die mir freundlicherweise die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Screenshots aus den DVDs gaben. Und hier sind sie nun: Petes Erinnerungen und Eindrücke von "Wolken über Kaprun":

 

 

Es ist die Zeit, als die Welt und das Leben in kleinen alpenländischen Gemeinden noch nicht vom Fortschritt und der Moderne überrollt worden sind. Es ist die Zeit, in der die Menschen im Dorf das, was sie zum täglichen Leben brauchen, im örtlichen Gemischtwarenladen einkaufen; es ist die Zeit, als der Landarzt mit einem klapprigen uralten Automobil, das bei jeder Bewegung ächzt und stöhnt, die engen Gebirgsstraßen zu seinen Patienten hinauf schnauft und dabei so sehr die Ruhe weg hat, dass er erst mal beim Bergbauern das Zwicken in der Galle untersucht und ihm wegen zu viel Schnapsgenusses die Leviten liest, während weiter unten eine Bäuerin in den Wehen liegt und den Herrn Doktor viel nötiger gebraucht hätte; es ist die Zeit, als die Volksschule am Ort noch von einer einzigen Lehrerin geleitet wird und die Kinder trotzdem einiges fürs Leben gelernt haben, und in der das Dorf nur einen einzigen Gendarmerie-Inspektor mit Fahrrad hat, der für Ruhe und Ordnung sorgt; es ist die Zeit, wo der seltene Besuch im Dorfkino noch etwas ganz Besonderes ist und man ansonsten allenfalls Abwechslung beim abendlichen Schafkopf-Spiel im Wirtshaus findet.


Nicht immer auf dem Traumschiff: Horst Naumann

 

Ein schöne Zeit ist es, eine ruhige Zeit - eine Zeit der Harmonie und des Friedens, die nur von einer gelegentlichen Rauferei oder einem gar zu strengen Vater, der seinem Sohn eine Tracht Prügel verpasst, gestört wird. Und der einzige Fortschritt, den es in jener Zeit in der Gegend rund um das Dorf gibt, ist ein Jahrhundertbau - das gigantische Stausee-Kraftwerk von Kaprun, das sich eingebettet zwischen schneebedeckten Gipfeln dreitausend Meter hoher Gebirgsriesen majestätisch über dem Dorf erhebt...

Und in dieser Zeit, kurz nach der Fertigstellung des Kraftwerks, spielt die Serie "Wolken über Kaprun". Als langjähriger Fan des deutschen und österreichischen Heimatfilm-Klassikers, der schon als kleiner Junge mit dem Begriff "Kaprun" vertraut war, kam ich letztlich doch nicht umhin, mir die DVD-Box des kürzlich veröffentlichten deutsch-österreichischen Serienklassikers zuzulegen.

 

Erzählt werden in 13 knapp halbstündigen Episoden die Erlebnisse des Ingenieurs Thomas Reuterer, der in dem Bergdorf St. Johann den so genannten Kontrollpunkt Michael des Staukraftwerks Kaprun beaufsichtigt. Reuterer lebt in einer weit vom Dorf abgelegenen Hütte und stellt die einzige Verbindung zwischen dem Dorf, dem Kraftwerk und einer Bergstation dar, die per Seilbahn mit seiner Hütte und dem Kraftwerk verbunden ist. Um zwischen dem Dorf und seiner Hütte zu pendeln, benutzt Reuterer stets einen bei jeder Witterung offenen amerikanischen Jeep. Sein einziger Mitbewohner ist sein treuer Schäferhund Rex, ein ehemaliger Lawinenhund der Gendarmerie.

Er ist schon ein harter Bursche, der Ingenieur Reuterer, dem die Dorfbewohner anfangs etwas argwöhnisch gegenüber stehen, hat er doch auch eine recht ruppige und aufbrausende Art und fährt leicht aus der Haut, wenn's  mal nicht so geht wie er es sich wünscht.

Aber das ändert sich sehr bald, denn bereits in der ersten Episode der Serie wird Reuterer unfreiwillig aufgrund dramatischer Umstände, bei denen er sein Leben aufs Spiel setzt, zum Helden der Dorfgemeinschaft und gewinnt so den Respekt der Dorfbewohner - und das Herz der Volksschullehrerin Maria Konrad, die allerdings mit Reuterers draufgängerischer Art und Risikobereitschaft nicht zurecht kommt und deshalb den letzten Schritt zur Verlobung doch nicht so recht wagen will.

 

 

Auf Seite 2 geht es weiter mit Petes Bericht und dem DVD-Tipp zur Serie ...

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